
Über mich
Im Jahr 1974 erblickte ich in Schwerin, Mecklenburg, das Licht der Welt. Über die Stationen Leipzig und Frankfurt (Oder) gelangte ich im Schlepptau meiner Eltern schließlich 1988 nach Ostberlin. Hier erlebte ich den Zusammenbruch des real-existierenden Sozialismus hautnah, der mein Leben und meine linke Sicht auf die Welt von da an prägen sollte. Mit ein paar Gleichgesinnten gründete ich im Dezember 1989 einen Jugendverband, arbeitete am Runden Tisch der Jugend mit und durfte diesen auch am Berliner Runden Tisch vertreten. Damals wollte ich mich vor allem einmischen, engagieren, Berufspolitik war für mich seinerzeit keine Option. Dazu kam es eher beiläufig, war dann aber auch eine wichtige und besondere Erfahrung für mich.
An der Hertz-Schule in Berlin-Friedrichshain legte ich 1992 mein Abitur ab und arbeitete anschließend für ein Jahr als Jugendsozialarbeiter im Projekt Outreach. Danach studierte ich an der Humboldt-Universität zu Berlin Rechtswissenschaften, legte 1998 mein 1. Examen ab, promovierte dort noch und machte – nach dem Zivildienst bei der Volkssolidarität und dem Referendariat – 2005 mein 2. Juristisches Staatsexamen. Es folgte meine Zulassung zur Anwaltschaft. Vom Recht habe ich nie ganz lassen können. Publikations- und auch eine mehrjährige Lehrtätigkeit an der HWR Berlin boten mir Gelegenheit, mich damit weiter zu beschäftigen.
Im November 1992 trat ich der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) bei. Im Prenzlauer Berg hatte mich die Konsequenz beeindruckt, mit der man sich dort der eigenen Vergangenheit als DDR-Staats- und Diktaturpartei auseinandersetzte. 1995 bis 1999 war ich Bezirksverordneter im Prenzlauer Berg, nach der Bezirksfusion geriet ich eher zufällig, als Nachrücker, 2003 ins Abgeordnetenhaus von Berlin. Dort kam ich erneut mit Recht in Berührung. Es wurde jemand als Sprecher für Rechtspolitik gebraucht. Mit Unterbrechung von 2016 bis 2021 war ich dann bis zum Ende Oktober 2026 Berliner Abgeordneter aus Pankow. In der PDS bzw. später Die Linke durfte ich elf Jahre als Landesvorsitzender wirken. Die Partei habe ich allerdings nach 32 Jahren Mitgliedschaft am 23. Oktober 2024 verlassen. Mit meinen demokratisch-sozialistischen Positionen und dem Bestehen darauf, dass man das eigene Handeln permanent kritisch reflektieren muss, sah ich dort keine Perspektive mehr für konstruktive Mitarbeit.
In meiner berufspolitischen Zeit habe ich mich immer als Generalist verstanden. Nichtsdestotrotz gab es Themen, die mich besonders beschäftigt haben. Justiz, Recht und Verfassung, Haushaltspolitik, die Felder Queer- sowie Sucht- und Drogenpolitik waren zeitweise meine Schwerpunkte. Vom Dezember 2016 bis zum April 2023 war ich Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin. Ja, mein Faible für Kultur war auch vorher schon da. Und er wird bleiben. Außerdem halte ich es für wichtig, über den eigenen lokalen und nationalen Tellerrand zu schauen. Europapolitik ist ein in den linken Kontexten oft unterschätztes Politikfeld. Kultur allerdings auch… Für mich war die Zeit in der Berliner Landesregierung sicherlich die bisher anstrengendste im Leben. Aber diese Erfahrung will ich keinesfalls missen.


»Mit Links die Welt retten« ist ein Buch, das ich 2024 im Kanon Verlag veröffentlicht habe. Darin werfe ich einen Blick zurück. Es ist auch ein Versuch, mir selbst Rechenschaft abzulegen. Bei David Bowie ist es der Song »Where are we now?«, der mit dazu sofort einfällt. Linke, emanzipatorische Politik heute ist dazu verdammt, sich kritisch auf ihre Wirksamkeit zu befragen. Gewohnte, liebgewonnene Muster von Politik und Gesinnung werden der heutigen Lage, meine ich, nicht mehr gerecht. Das bedeutet: Wir brauchen eine ehrliche und auch schmerzhafte Bestandsaufnahme über das, wo wir eigentlich hinwollen, was wir dazu vermögen und was wir nicht hinbekommen (oder gar in den Sand gesetzt) haben. Dazu wären auch manche der Erfahrungen aus den Jahren nach 1989/90 sehr wichtig, die aber kaum noch reflektiert werden. Mit vielen anderen kritisch-emanzipatorischen Linken haben wir im Jahr 2025 einen politischen Bildungsverein, die Progressive Linke e.V., gegründet, um uns damit intensiver auseinanderzusetzen. Dort arbeite ich gegenwärtig auch im Sprecher*innenrat mit.